Seit Mitte Februar bietet Apples eigene Kartenlösung in Deutschland eine deutliche Erweiterung der verfügbaren Fahrpläne im öffentlichen Personen­nahverkehr. Offenbar haben diese Daten aber ihre Tücken, die nicht nur bei den Verkehrsverbänden auf Ratlosigkeit stoßen.

Karten-App: Nürnberger Verkehrsverbund weiß nicht, woher Apple die Fahrplandaten hat

Apples Karten-App bietet seit einigen Tagen neue, deutschlandweite Fahrplan­informationen – wir berichteten. Seit dieser Erweiterung gibt es laut Nordbayern.de nun aber beispielsweise beim VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) Fragen darüber, warum die vorhandenen Daten in Apple Maps nicht korrekt sind. VGN-Sprecher Manfred Rupp sagte gegenüber dem Nachrichtenportal, das man nicht wisse, „woher Apple die Fahrplandaten zu den VGN-Linien hat“.

Problematischer wird es im Hinblick auf Echtzeitdaten, welche die VGN nicht offen anbietet, sondern offenbar nur an die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) liefert. Nutzer von Bussen und Bahnen in Nürnberg, die erwarten, dass Apples Karten-App Echtzeitinformationen anbietet, werden laut Stichproben der VGN enttäuscht. In der App zeigt Apple jedoch klar, dass es sich lediglich um geplante Zeiten handelt. „Einzelne von uns abgefragte Fahrplanauskünfte deuten darauf hin, dass es sich nicht um Echtzeit-Daten, sondern um so genannte Soll-Fahrplandaten handelt, die nicht neueren Datums sind“, so die VGN.

Offenbar ist das von Apple verwendete Material aber auch hier nicht aktuell. Derartige Soll-Fahrpläne stellt die VGN im sogenannten GTFS-Format offen zur Verfügung, womit die Frage damit zumindest teilweise beantwortet werden kann. Aktuell stehen dort lediglich Daten vom 28. November 2019 zum Download parat. Diese werden laut VGN „ca. vier­tel­jähr­lich“ aktualisiert.

Der Sprecher sagte, dass man derzeit über die Qualität und Zuverlässigkeit von Apples Auskünften „nicht urteilen könne“. Die Verantwortlichen halten es für möglich, dass Apple „etwa irgendwelche Handydaten“ abzapfe. Der Sprecher verweist als Alternative daher auf die Apps der VGN und VAG (Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg).

iOS 13 beinhaltet in den USA bereits deutlich überarbeitete Karten an, welche in den kommenden Monaten auch nach Europa kommen sollen. Was iOS 13 sonst noch kann, erfahrt ihr hier:

Alte Fahrpläne: Schuld bei Apple oder den Verkehrsbetrieben?

Die aktuelle Problematik zeigt, wie komplex das Fahrplanthema sein kann. Eine Lösung, um Entwicklern von Fahrplan-Apps ihre Arbeit zu erleichtern, ist das bereits oben angesprochene GTFS-Format (General Transit Feed Specification). Dies begann bereits im Jahr 2005 als Nebenprojekt des Google-Mitarbeiters Chris Harrelson. Das US-Verkehrsunternehmen TriMet in Portland unterstützte im Dezember 2005 als Erste das neue Format. GTFS bietet auch eine Erweiterung für Echtzeitdaten.

Wie Stefan Kaufmann in einem Beitrag zum aktuellen Vorfall beschreibt, scheitert es bei den deutschen Verkehrsbetrieben weiterhin beim Willen, ihre Fahrpläne zu veröffentlichen oder gar Live-Daten zur Verfügung zu stellen. Die Fehler im Fahrplan liegen im konkreten Fall „glasklar auf Seiten des Verbunds“, da die öffentlich angebotenen Daten schlichtweg zu alt seien. Seit dem 1. Dezember 2019 müssen Soll-Fahrplandaten angeboten werden; ab Dezember 2023 werden dann auch die Echtzeitdaten EU-weit gefordert.

Eine Übersicht, welcher Verbund, welche Daten in welcher Form anbietet, findet ihr auf rettedeinennahverkehr.de.

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