Die Talfahrt an den Aktienmärkten setzt sich wegen des Coronavirus fort. Anders als bei früheren Krisen scheinen weder Bitcoin noch Gold derzeit sichere Häfen zu sein. Warum ist das so?

Die Angst vor einer weiteren Ausbreitung und den negativen Folgen des Coronavirus hat die Welt derzeit fest im Griff – auch die Finanzwelt. Die Börsenkurse sind seit Tagen auf Talfahrt. Der Dax hat aufgrund aktueller Entwicklungen – Einreiseverbot in die USA, drastische Maßnahmen in Italien, Geldpolitik der EZB – am Donnerstag um gut zwölf Prozent nachgegeben. In weniger als einer Handelswoche ging es für den deutschen Leitindex um rund 20 Prozent bergab. Ein solches Minus gab es bisher nur während der Finanzmarktkrise im Oktober 2008.

Coronavirus: Aktienkurse weltweit auf Talfahrt

Ähnlich negativ gestaltet sich die Lage an anderen Börsenplätzen rund um den Globus. Der Dow Jones notiert am Donnerstag bei rund 22.000 Punkten und damit um rund fünf Prozent im Minus. Zwischenzeitlich war der Handel an der New Yorker Börse ausgesetzt worden, nachdem es ein Minus von rund acht Prozent gab. Am Sonntag hatten noch über 25.000 Punkte zu Buche gestanden.

Bitcoin-Kurs: Am Donnerstag ging es kräftig bergab

Bitcoin-Kurs: Am Donnerstag ging es kräftig bergab. (Screenshot: Coinmarketcap/t3n)

Anders als viele Marktbeobachter wohl erwartet hätten, sind Kryptowährungen – allen voran der Bitcoin – diesmal aber offenbar kein sogenannter sicherer Hafen. Am Donnerstagmittag brach der Bitcoin-Kurs innerhalb kurzer Zeit um rund 20 Prozent ein und rutschte zwischenzeitlich unter die 6.000-Dollar-Marke. Auch die meisten anderen Kryptowährungen verbuchten Einbrüche im deutlich zweistelligen Prozentbereich.

Bitcoin doch keine Krisenwährung?

Beim Bitcoin ist die Entwicklung auch daher bemerkenswert, weil zuletzt in Hinblick auf das Halving der Kurs wieder an der 10.000-Dollar-Marke gekratzt hatte. Noch Ende Januar hatte boerse.ard.de angesichts des zu diesem Zeitpunkt steigenden Bitcoin-Preises getitelt: „Bitcoin etabliert sich als Krisenwährung“. Also warum gerade jetzt dieser enorme Einbruch?

In sozialen Netzwerken wird gemutmaßt, dass die Bitcoin-Unterstützer gemerkt hätten, dass die Kryptowährung in Krisenzeiten nicht viel weiterhilft. Bitcoin kauft kein Klopapier oder Lebensmittel ist etwa bei Twitter eine oft gelesene Erklärung für das Phänomen. Die Idee dahinter: Die Konsumenten versuchen derzeit, ihre Reserven in Bargeld umzutauschen, um für den Krisenfall gewappnet zu sein.

Goldpreis: Erst Allzeithoch, dann Rückgang

Interessanterweise ist das sogenannte digitale Gold bei der Abwärtsentwicklung gemeinsam mit den aktuell einbrechenden Aktienmärkten nicht allein. Auch der Preis des „echten Goldes“ ist im Laufe des Donnerstags zwischenzeitlich um knapp fünf Prozent eingebrochen. Noch vor wenigen Tagen hatte der Goldpreis – in Euro gerechnet – ein Allzeithoch erreicht.

Feststellen lässt sich also in jedem Fall, dass ein Absturz an den Finanzmärkten dieses Mal keine Flucht in Bitcoin und Gold ausgelöst hat. Beim Goldpreis gingen Experten Anfang der Woche davon aus, dass ein Verkauf von Gold liquide Mittel für den Nachkauf von Aktien freimachen sollte. Das bedeute aber nicht, dass Bitcoin und Gold keine sicheren Häfen mehr seien. Nur benötige das gesamte System Zeit, um nachzujustieren.

Wenn es um den Bitcoin geht, dann dürfte Marktbeobachtern zufolge aber weniger das mangelnde Vertrauen in die digitale Währung als Zahlungsmittel für in Krisen wichtige Güter für den aktuellen Kursrutsch verantwortlich sein. Stattdessen haben Analysten wie Frank Geßner von der Investmentfirma Invao institutionelle Investoren als Verantwortliche für die aktuelle Abwärtsspirale ausgemacht.

Institutionelle Anleger „bewegen“ Bitcoin-Kurs

In Krisen würden solche großen Anleger ihr Geld schnell aus Hochrisikoanlagen – zu denen Kryptowährungen zählen – abziehen, wie financefwd.com schreibt. Angesichts der Vielzahl institutioneller Anleger im Kryptobereich mache dies den Unterschied schon aus. Und, so Geßner, Bitcoin und Co ließen sich schneller liquidieren als Gold oder Aktien. Branchenexperten wie Bitgo-Mitgründer Ben Davenport bestätigen den Eindruck, dass die Aktionen einzelner großer Anleger den Kryptomarkt stärker bewegen als die makroökonomische Wetterlage.

Für die Bitcoin-Krise nicht ganz unwesentlich ist aber auch der Fakt, dass das Virus seinen Ausgang in China genommen hat – und dessen Bekämpfung negative Auswirkungen auf das Rückgrat der Krypto-Technologie hatte beziehungsweise weitere Beeinträchtigungen befürchtet werden. Das Problem: Ein Großteil der Mining-Farmen befindet sich in China. Und die stehen aufgrund der Quarantänemaßnahmen derzeit zum Teil still. Zudem dürften Marktbeobachter auch eine sinkende Versorgung mit Tech-Hardware oder zumindest steigende Preise in den kommenden Wochen und Monaten fürchten, da auch viele Fabriken in China nicht betrieben werden konnten.

Bitcoin-Entwicklung: Kritiker versus Befürworter

Während Bitcoin-Kritiker sich jedenfalls in ihrer Meinung bestätigt sehen, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen kein sicherer Hafen in Krisenzeiten sind, glauben Befürworter nur an einen zwischenzeitlichen Rückgang. Mittelfristig könnten Bitcoin und Co, ebenso wie der Goldkurs, wieder zulegen. Dann nämlich, wenn die Investoren nach der Cash-Phase wieder beginnen, ihr Geld anzulegen.

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