Online-Plattformen wie Lieferando, Uber oder Clevershuttle sind ungemein praktisch, um schnell von A nach B zu kommen oder ein Essen zu bestellen. Aber wie fair verhalten sich die Plattformen gegenüber den Beschäftigten? Wissenschaftler haben das bewertet.

Der Berliner Fahrdienstleister Clevershuttle bietet laut einer wissenschaftlichen Untersuchung der zehn bedeutendsten digitalen Plattformen die fairsten Konditionen für seine Mitarbeiter. Die Tochter der Deutschen Bahn erzielte in einer Studie der TU Berlin und der Universität Oxford neun von zehn möglichen Punkten. Am schlechtesten schnitt in der Untersuchung des Fairwork-Projektes zu den Arbeitsstandards der US-Fahrvermittler Uber ab, der nur einen von zehn möglichen Punkten erzielte.

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Online-Plattformen wie Clevershuttle, Uber, Lieferando oder Betreut.de beschäftigen Schätzungen zufolge bis zu 1,6 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland. Die Mehrheit von ihnen ist dabei im Bereich der Dienstleistungen, Logistik und Mobilität tätig. Für das Ranking wurden in der Studie Bezahlung, Arbeitsbedingungen, Verträge, Management-Prozesse und Mitbestimmung auf ihre Fairness gegenüber den Beschäftigten untersucht.

Für diese „fünf Kernprinzipien fairer Plattformarbeit“ wurde zunächst ein grundlegender Schwellenwert festgelegt. Bei der Bezahlung war dies der gesetzlich festgelegte Mindestlohn. In einem zweiten Schritt wurde dann ein höherer Schwellenwert angesetzt. Bei der Bezahlung wurde in diesem Schritt errechnet, ob die Beschäftigten auch nach Abzug ihrer Kosten den Mindestlohn erzielen.

Clevershuttle überzeugt

Clevershuttle überzeugte in der Studie in neun von zehn möglichen Punkten. Nur bei der Frage, ob die Management-Prozesse auch die Gleichbehandlung von Männer und Frauen vorsehen, gab es einen Punkt Abzug. Hinter Clevershuttle landete die digitale Arbeitsvermittlung Zenjob aus Berlin mit acht Punkten auf Platz zwei, gefolgt von Instaff (7 Punkte), Berlkönig (6) und Lieferando (5).

Nur 4 Punkte erfüllten jeweils Amazon Flex, bei dem Privatleute als Lieferpartner Amazon-Pakete zustellen, sowie die beiden Arbeitsvermittler Betreut.de und Careship. Der Putz-Dienstleister Helpling landete mit nur zwei Punkten auf dem vorletzten Platz. Hier wurde lediglich der Mindestlohn ohne Berücksichtigung der Kosten erreicht und die rechtlichen Vertragsbedingungen waren nicht zu beanstanden.

Uber Schlusslicht

Beim Schlusslicht Uber (1 Punkt) verzeichnete die Studie nicht einmal einen Mindestlohn für die Fahrer. Ein Uber-Sprecher widersprach der Darstellung. In Deutschland kooperiere man mit Mietwagenfirmen, die ihren Beschäftigten natürlich den Mindestlohn oder mehr bezahlten. Man könne als Vermittler aber keine genaue Angabe zur Höhe des Lohns machen. Dies sei in der Studie abgestraft worden. Er verwies zugleich auf eine andere Studie des Fairwork-Projektes zum Schutz von Arbeitnehmern in der Coronakrise. Dort habe Uber in Deutschland den ersten Platz belegt und besser abgeschnitten als Clevershuttle und andere Plattformen.

Ranglisten-Sieger Clevershuttle bietet seit der Gründung im Jahr 2015 das sogenannte Ridesharing an, bei dem mehrere Fahrgäste mit ähnlichem Ziel auf der Strecke eingesammelt werden und sich die Fahrt teilen. Kunden nutzen den Service grundsätzlich mit einer App fürs Smartphone. In der Coronakrise wurde das Pooling eingestellt. Clevershuttle fährt jetzt wie ein Mietwagendienst für Einzelkunden.

Die Studie wird von der Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) unterstützt und ist Teil der offiziellen Umsetzungsstrategie Digitalisierung der Bundesregierung. Ziel von Fairwork Deutschland sei es, „die Arbeitsverhältnisse von Plattformarbeiter*innen zu beleuchten und praktische Vorschläge zu ihrer Verbesserung zu machen.“ dpa

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