Der angebliche Anti-5G-USB-Stick „5G Bioshield“. (Bild: 5gbioshield.com)

Über 300 Euro für einen Billig-USB-Stick aus China? Das verlangt eine britische Firma, weil der „5G Bioshield“ vor angeblich schädlicher 5G-Strahlung schützen soll. Experten warnen jetzt.

In den vergangenen Wochen hat die ohnehin schon laute Kritik an angeblich schädlicher 5G-Strahlung noch einmal an Fahrt aufgenommen. Einige Verschwörungstheorien besagen sogar, dass über das im Aufbau befindliche 5G-Netz das Coronavirus verbreitet werde. Diese Bedenken und einen Schuss Gutgläubigkeit machen sich auch Firmen zunutze, die damit Geld verdienen wollen. Eine britische Firma etwa verkauft einen „5G Bioshield“ getauften USB-Stick, der nach Meinung von IT-Sicherheitsexperten auch nicht mehr als das ist – ein Billig-USB-Stick aus China.

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Beratergremium empfiehlt 5G Bioshield

Als besonders merkwürdig lässt das Ganze erscheinen, dass das kleine Gerät von offizieller Seite empfohlen wurde – nämlich in einem Bericht des 5G-Beratergremiums des Stadtrats der britischen Stadt Glastonbury. Darin heißt es zum 5G Bioshield: „Wir nutzen dieses Gerät und finden es sehr hilfreich“. Grund genug für die IT-Sicherheitsexperten von Pen-Test-Partners, sich das Gerät in dreifacher Ausführung zu bestellen und es unter die Lupe zu nehmen. Kostenpunkt: 283 Pfund (314 Euro) pro Stück.

Der Anbieter verspricht, dass das Gerät per Quantenoszillation vor der angeblich gefährlichen 5G-Strahlung schütze. Dabei komme eine eigene holografische Nano-Layer-Technologie zum Einsatz, wie es auf der Website heißt. Dadurch würden störende Frequenzen ausgeglichen und die Kohärenz der Geometrie der Atome wieder hergestellt. Letztlich, so der Hersteller sende der 5G Bioshield eine große Anzahl von Lebenskraftfrequenzen, was eine allgemeine Revitalisierung des Körpers begünstige.

Stick ist nicht mehr als billiger USB-Stick

Die Experten allerdings fanden in und an dem Stick nichts weiter als einen in Massenproduktion hergestellten USB-Stick mit eingraviertem Logo und einer LED. Der Speicherplatz belief sich auf gerade einmal 128 Megabyte. Zum Vergleich: für unter zehn Euro bekommt man bei großen Online-Marktplätzen schon USB-Sticks mit 32 oder gar 64 Gigabyte Speicherplatz. Abgesehen davon fanden die Experten keine Hinweise auf die holografische Nano-Layer-Technologie und auch keine zusätzlichen Komponenten.

Dem Fazit von Pen-Test-Partners zufolge bleibt es natürlich den Menschen selbst überlassen, ob sie dafür über 300 Euro ausgeben wollen. Aber die Sicherheitsexperten sind nicht der Meinung, dass dieses Produkt, wie geschehen, von einer öffentlich finanzierten Stelle beworben werden solle. Zunächst solle eine unabhängige wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit des Sticks durchgeführt werden. Und: Der 5G Bioshield sollte von Handelsbehörden überprüft werden.

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