Das digitale Filetstück der Supermarktkette Real, der Marktplatz Real.de, soll zum neuen Kaufland-Marktplatz werden. Der Deal verspricht weiteres Wachstum.

Die Schwarz-Gruppe will den Onlinemarktplatz von Real übernehmen und als Kaufland-Onlinemarktplatz weiterführen, wie das Unternehmen am Montag mitgeteilt hat. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden und die Schwarz-Gruppe setzt voraus, dass die Investorengruppe SCP Real tatsächlich übernimmt. Zusammen mit der ebenfalls geplanten Übernahme von 88 Real-Märkten hätte Kaufland sowohl sein Filialnetz als auch seine Onlinepräsenz ausgebaut. Die Übernahme ergibt Sinn und wird für mehr Umsatz auf dem Marktplatz sorgen.

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Aus Real.de wird Kaufland.de

Der Markenname Real soll wegfallen, sodass der Onlinemarktplatz unter dem Logo der Schwarz-Tochter Kaufland weiter betrieben wird. Das bestehende Angebot und die dazugehörigen Dienstleistungen sollen Händlern und Kunden weiterhin zur Verfügung stehen.

Die Schwarz-Gruppe scheint ihr Digitalgeschäft noch über den Onlinemarktplatz von Real hinaus ausbauen zu wollen. Digital-Vorstand Rolf Schumann bezeichnet den Zukauf von Real.de in einer Mitteilung als „wesentlichen Baustein“ des zukünftigen Angebots bei Kaufland.

Kaufland: Bisher eher mageres Digitalgeschäft

Das lässt hoffen, denn viel hat sich bei Kaufland bisher digital noch nicht getan – von einem digitalen Prospekt und digitalen Pfandbons in manchen Filialen mal abgesehen. Nicht einmal einen Onlineshop bietet die Supermarktkette.

Einziges Leuchtturmprojekt war ein regionaler Lebensmittel-Onlineshop: Kaufland hatte bis Ende 2017 rund ein Jahr lang in Berlin einen Lieferservice betrieben und trotz guter Akzeptanz beim Kunden überraschend wieder eingestellt. Angeblich soll kein kostendeckender Betrieb möglich gewesen sein. Branchenexperte Peer Schader vom Supermarktblog hielt die Begründung damals für unplausibel und verwies auf Gerüchte, dass aus strategischen Gründen auf weitere Investitionen verzichtet wurde, um stattdessen den stationären Handel von Kaufland zu stabilisieren.

Real Marktplatz weist stetiges Wachstum vor

Ursprünglich als Hitmeister.de gestartet, wurde der Marktplatz von Real übernommen und konnte seine Position auf dem Markt durch die bekannte Marke ausbauen. Bei der Übernahme im Jahr 2016 betrug das Bruttowarenvolumen (GMV) noch 60 Millionen Euro, 2018 lag es bei 380 Millionen. 2019 wuchs der Handelsumsatz laut Real.de-Chef Gerald Schönbucher weiter und erreichte eine halben Milliarde Euro (GMV). Aktuell hat der Marktplatz rund 15 Millionen Artikel im Angebot, die vor allem von Händlern angeboten und verkauft werden.

Zur Real-Digital-Sparte und zum Real Marktplatz gehört auch das International Marketplace Network, das die Marktplätze Cdiscount in Frankreich, Emag in Rumänien und Eprice in Italien mit Real.de verbindet und Händler auf allen vier Marktplätzen den internationalen Verkauf auf den angeschlossenen Marktplätzen ermöglicht.

Real Marktplatz wird auch als Kaufland weiter wachsen

Nach einer kurzen Konsolidierungsphase, die auch bei der Hitmeister-Übernahme durch Real zu spüren war, wird der Onlinemarktplatz auch unter Kaufland.de voraussichtlich weiter wachsen können. Die Situation ist vergleichbar mit der ersten Übernahme, die große Marke wird dem Marktplatz beim Wachstum helfen. Vermutlich dürfte sich durch den Verkauf von Real ein wenig Unsicherheit bei Käufern und Kunden breitgemacht haben, die mit Übernahme durch die Schwarz-Gruppe beendet wird.

Ein weiterer Faktor, der sich positiv auswirken könnte: Der Lebensmittel-Lieferdienst von Kaufland wird nach erfolgter Übernahme vermutlich schnell wieder aus der Schublade gekramt werden und könnte zusammen mit dem Marktplatz für Synergieeffekte sorgen.

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