Die Corona-Warn-App verursacht noch reichlich Probleme. (Bild: PhotoGranary / Shutterstock)

Die Corona-Warn-App hat noch einige Fehler. Das zeigt, dass die Entwicklung weniger trivial ist, als manche Experten behaupten. Doch die Programmierer sollten zusehen, dass sie das Vertrauen der Bevölkerung nicht aufs Spiel setzen.

Seit gut einer Woche ist die Corona-Warn-App deutschlandweit im Einsatz und sie findet ihre Anhänger: Mehr als 13 Millionen Mal wurde die App für iOS und Android alleine in den ersten Tagen heruntergeladen. Wie oft und intensiv sie genutzt wird, sagt das freilich noch nicht. Aber das Gesundheitsministerium spricht inzwischen von 15 Prozent, die die App verwenden. Laut einer Studie der Universität von Oxford soll das ein Mindestwert sein, ab dem man ihr unter Stochastik-Gesichtspunkten eine gewisse Wirksamkeit zuspricht.  Immerhin: ein höherer Prozentsatz als in anderen Ländern, auch wenn aufgrund der dezentralen und absichtlich nicht zentral protokollierten Nutzung Vergleiche kaum möglich sind.

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Doch mit der wachsenden Nutzung kommen auch immer mehr Schwächen und Bugs ans Licht, die sich in vielen Fällen nur auf bestimmte Geräte beziehen und somit nicht allgemeingültig sind. Da ist zunächst einmal die fehlende Kompatibilität zu älteren Geräten (unter Android 6 beziehungsweise iOS 13.5). Die ist ärgerlich, hat aber mit der von Google und Apple gemeinsam geschaffenen Schnittstelle zu tun. Nicht nachvollziehbar ist es auch, dass Nutzer unter 16 Jahren laut den Bedingungen der App diese nicht nutzen sollen. Bei der Einrichtung selbst fragt die App dennoch keine Altersangabe ab.

Zahlreiche Fehlermeldungen, die Nutzer verwirrt zurücklassen

Wenig nachvollziehbar sind dagegen Fehlermeldungen, die beispielsweise besagen, man befände sich nicht in der richtigen Region oder es gebe Probleme mit der Schnittstelle, sodass eine Risikoermittlung nicht möglich sei. Auch ein Problem mit der Aktualisierung der ID im Hintergrund, die teilweise nur in aktivem Zustand funktioniert, überzeugt nicht. Ebenfalls wenig schlüssig, aber zur korrekten Nutzung der Entfernungsmessung durchaus vernünftig ist dagegen der Umstand, dass unter Android die Standortbestimmung eingeschaltet sein soll. Das soll dazu führen, dass der Nutzer sich darüber bewusst ist, dass via Bluetooth auch Standortdaten übermittelt werden können. Unterm Strich ist das einem ohnehin misstrauischen, wenig technikaffinen Nutzer kaum zu vermitteln.

Naheliegend ist es auch deswegen nicht, die GPS-Daten einzuschalten, weil man sich einerseits vernünftigerweise darauf geeinigt hat, Bluetooth Low Energy statt des „normalen“ vollwertigen Bluetooth zu verwenden, und dann den Energievorteil wieder durch Standortdatenerfassung wieder verspielt. Bluetooth LE ist deswegen vollkommen ausreichend, weil in diesem Fall ja nicht – wie etwa bei der Tonübertragung zu einem Lautsprecher – große Datenmengen übertragen werden müssen, sondern lediglich kurze Impulse, sprich kleine Datenpakete. Bluetooth LE kommt sonst ja beispielsweise bei Sensoren zum Einsatz, etwa im Industrie 4.0-Umfeld, wo ein Gerät über Wochen und Monate mit einer einzigen Batterie auskommen soll und nur kurze Lebenszeichen oder Messwerte von sich gibt.

Apropos Standortdaten: Von unnötiger und allenfalls wirtschaftlich nachvollziehbarer Kleinstaaterei zeugt der Umstand, dass die App zumindest anfangs jeweils nur in den deutschen App-Stores verfügbar war (inzwischen behoben). Gerade grenznahe Pendler, die aus irgendeinem Grund nicht die deutsche Version von Google Play installiert haben, mussten mit einigen Umwegen von Hand aus einer fremden Quelle nachinstallieren. Immerhin gelobt das Gesundheitsministerium Besserung und will in Zukunft die App auch für die Nutzung im Ausland verfügbar machen. Denn technisch wäre das gar kein Problem, da sie ja ohnehin auf Kontakte via Bluetooth ausgerichtet ist, ungeachtet der Standortdaten.

Bugs der Corona-Warn-App überfordern Nutzer

Vor Rätsel stellt viele Nutzer auch eine Fehlermeldung mit dem Text „Risiko-Ermittlung nicht möglich: Ihre Risiko-Ermittlung konnte seit mehr als 24 Stunden nicht mehr aktualisiert werden“. Das zielt darauf ab, dass die App anhand von Kontakten einschätzen kann, wie groß das Risiko einer Corona-Infektion ist. Nutzer unter iOS können das selbst beheben, indem sie die Hintergrundaktualisierung für die App zulassen. Unter Android sind dagegen oftmals die herstellerseitig auf Energiesparfunktionen angepassten Android-Versionen (etwa sehr restriktiv bei Huawei- und Honor-Geräten) das Problem. Doch Hersteller anderer Apps, die im Hintergrund arbeiten, bekommen das auch hin, indem sie den Nutzer per Popup darauf hinweisen und ihn gleich zu den entsprechenden Einstellungen in der Systemsteuerung führen.

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