Ab 1. Juli 2020 sinkt die Mehrwertsteuer in Deutschland. Mit dieser Maßnahme will die Bundesregierung frische Kaufanreize schaffen und die Konjunktur ankurbeln. Aber sinken dadurch auch wirklich die Preise für uns Kunden? GIGA listet auf, welche Onlineshops und stationäre Händler die Ersparnis ganz oder zum Teil an Kunden weitergeben wollen.

Media Markt

Update vom 26.06.2020:

Auf einen Blick: Das sind die Händler, die laut eigenen Angaben ihre Preise im Zuge der Mehrwertsteuersenkung anpassen wollen.

Aber: Zu einigen großen Händlern und Herstellern liegen nach unserem Kenntnisstand noch keine Aussagen vor. Darunter sind unter anderem Apple, H&M und Ikea.

Originalartikel:

Inhaltsverzeichnis

Mehrwertsteuer 2020: Für ein halbes Jahr Geld beim Einkauf sparen?

Vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 wird die Mehrwertsteuer in Deutschland herabgesetzt: Statt bisher 19 Prozent auf nur noch 16 Prozent (bzw. 5 statt 7 Prozent bei ermäßigtem Steuersatz). Beschlossen wurde diese Maßnahme im Rahmen des Konjukturpakets, mit dem die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie bekämpft werden sollen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat nach eigener Aussage das Ziel „dass die Senkung durch den Handel möglichst kostengünstig und unbürokratisch an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden kann.“

Na, das klingt doch alles wunderbar – wo ist da der Haken? Nun, ob die Preise für uns beim Handy-, Fernseher- oder Laptop-Kauf tatsächlich nach unten gehen, das entscheiden letzten Endes die Unternehmen. Im schlimmsten Fall zieht ein Händler nämlich einfach nicht mit und steckt die Ersparnis selbst ein.

Statements: Online-Händler wollen mitmachen

Können wir Kunden also wirklich mit Vergünstigungen rechnen? GIGA hat im Online-Handel schriftlich nachgefragt, das sind die Antworten:

  • „Für Cyberport war und ist es auch in Zukunft selbstverständlich, dass wir für unsere Privat-und Geschäftskunden die bestmöglichen Preise machen. Zudem ist sich das Unternehme seiner Verantwortung im gesamtwirtschaftlichen Kontext der Corona-bedingten Herausforderungen bewusst. In den letzten Monaten haben wir durch gute Verfügbarkeit und faire Preise hunderttausende Mitarbeiter und Familien beim Schritt zu Home Office und Home Schooling mit IT versorgt. Wir werden an einer kundenorientierten Preisstrategie festhalten und ab dem 1. Juli mit der jeweils reduzierten Mehrwertsteuer kalkulieren. Preise ändern sich im IT-Handel derzeit oft kurzfristig innerhalb weniger Tage auf Basis von variierenden Einkaufspreisen für Ware oder auch in Abhängigkeit vom Wettbewerb. Zum Stichtag 1. Juli werden die Preise in vielen Produktbereichen durch die Mehrwertsteuersenkung niedriger sein und außerdem gibt Cyberport die Mehrwertsteueranpassung bei Versandkosten an die Kunden weiter. Aktuelle Lieferengpässe und damit einhergehend steigende Einkaufspreise im Markt werden die Preise in den Folgetagen dann sicher wieder verändern und können so im Extremfall auch dazu führen, dass Bruttopreise im Juli höher sein werden als im Juni,“ so Nicole Fiedler, Manager PR & Kommunikation bei Cyberport gegenüber GIGA.
  • MediaMarktSaturn begrüßt, dass das von der Regierungskoalition beschlossene Konjunkturpaket umfangreiche Maßnahmen zur Stimulierung des privaten Konsums beinhaltet. Angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen der Corona-bedingten Schließungen im Einzelhandel ist dies ein starkes Signal. MediaMarkt und Saturn werden die Mehrwertsteuer-Senkung selbstverständlich in vollem Umfang an ihre Kunden weitergeben,“ so eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber GIGA. Anmerkung der Redaktion: MediaMarkt und Saturn gehören beide zur MediaMarktSaturn Retail Group.
  • Frank Surholt, Pressesprecher bei Otto: „Die Bundesregierung hat sich im Kampf gegen die Folgen der Coronakrise auf ein milliardenschweres Konjunkturpaket geeinigt. (…) Otto unterstützt die Bundesregierung in ihren Bemühungen und wird die Kostensenkung an ihre Kund*innen weitergeben. Wie genau das geschehen und für die Kund*innen wirksam und/oder sichtbar wird, ist derzeit aber noch in Prüfung, da die Aufwände der notwendigerweise umzusetzenden technischen Umstellungen erheblich sind. Nach dem heutigen Stand der Dinge gilt das auch für den Bereich Technik/Unterhaltungselektronik.“
  • Gravis wird die temporäre gesetzliche Reduzierung der Mehrwertsteuer selbstverständlich umsetzen und an die Kunden weitergeben,“ so Caroline Lambert, Pressesprecherin des Berliner Technikhändlers.

Alle Antworten aus dem Online-Handel sind also positiv und decken sich mit den Aussagen der Mobilfunkanbieter – das ist ein gutes Zeichen für uns Verbraucher. Übrigens: Auch die Discounter Lidl und Aldi wollen die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kundschaft weitergeben, wie unter anderem die Lebensmittelzeitung berichtet.

Schätzung: 1,6 Prozent Ersparnis werden im Schnitt erwartet

Anfang Juli werden wir dann sehen, ob sich wirklich etwas sparen lässt und vor allem, wieviel genau. Das Statistische Bundesamt schätzt vorab, dass im Schnitt 1,6 Prozent Ersparnis für die Kunden drin sind – dabei kommt es auf die Branche an:

Vor allem bei großen Anschaffungen wie OLED-Fernsehern oder E-Bikes (siehe GIGA-Kaufberater) macht jeder Prozentpunkt für den Kunden ganz schön was aus – man sollte also die Augen offen halten und im Zweifel auch mal vor dem Kauf beim Händler nachfragen, was Sache ist. Stationäre Händler können sich übrigens nur begrenzt mit der Aussage „zu viel Aufwand“ herausreden: Der Gesetzgeber betont nämlich, dass der Handel pauschale Rabatte an der Kasse gewähren darf, ohne die Preisauszeichnung sämtlicher Regale in der Nacht zum 1. Juli 2020 ändern zu müssen. Das steht in der Ausnahmemöglichkeit des § 9 Absatz 2 Preisangabenverordnung (PAngV).

Aldi kennt jeder – oder?

Laut einer aktuellen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen glauben 85 Prozent der Befragten in Deutschland, dass die Senkung des Mehrwertsteuersatzes die Wirtschaft wie geplant ankurbeln wird – die klare Mehrheit ist also optimistisch. Seht ihr das auch so? Schreibt uns eure Einschätzung gerne in die Kommentare.

Ersparnis durch Mehrwertsteuersenkung 2020 berechnen: So geht’s

Wer gerne feilscht, sollte in Hinblick auf die Mehrwertsteuersenkung wissen, welche Ersparnis theoretisch möglich ist. Zur Berechnung benötigt man folgende Formeln:

p = Prozentsatz (Prozentangabe)
W = Prozentwert (Zahlenwert)
G = Grundwert (Zahlenwert)

Prozentsatz p = W / G = Prozentwert / Grundwert
Prozentwert W = G × p = Grundwert × Prozentsatz
Grundwert G = W / p = Prozentwert / Prozentsatz

Nun anhand eines Beispiels. Ein iPhone kostet 799 Euro (Bruttopreis, hier = Prozentwert) – was ist dann der Nettobetrag (Grundwert)? Dazu brauchen wir den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent:
Lösung: 799 Euro / 1,19 = 671,43 Euro (Nettopreis iPhone)

Was wäre dann der neue Bruttopreis, bei gesenkter Mehrwertsteuer von 16 Prozent? Dazu multiplizieren wir den Nettopreis des iPhones mit 1,16:
Lösung: 671,43 Euro × 1,16 = 778,86 Euro (neuer Bruttopreis iPhone)

Also: Wenn der Händler die Mehrwertsteuersenkung voll weitergibt, dann kann der Kunde theoretisch 799 Euro – 778,86 Euro = 20,14 Euro beim iPhone-Kauf sparen. Mit diesem Wert kann man dann vor Ort in die Preisverhandlung gehen, falls der Händler nichts oder gefühlt zu wenig Preisnachlass im Rahmen der Mehrwertsteuersenkung gewährt.

Stefan Bubeck

Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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