Twitter. (Foto: dpa)

Der Tech-Journalist und Security-Experte Brian Krebs stieß bei seinen Recherchen auf interessante Hinweise, wer am großen Twitter-Hack beteiligt war. Die Spur führt nach Spanien.

Der Twitter-Hack von vergangenem Mittwoch war ohne Beispiel: Etliche große Twitter-Accounts, von Jeff Bezos bis Joe Biden und Kanye West bis Apple, forderten scheinbar ihre Millionen Follower auf, Bitcoins an eine bestimmte Adresse zu überweisen. Gemessen am Ertrag – rund 12 Bitcoin, umgerechnet etwa 100.000 Euro – scheint der Hack ein Fehlschlag gewesen zu sein. Atemberaubend jedoch sind Anzahl und Bekanntheitsgrad der gekaperten Accounts.

Wie so oft basiert der Hack allerdings nicht auf besonderen technischen Fähigkeiten, sondern auf Überredungskunst: Die Angreifer brachten Twitter-Mitarbeiter dazu, ihnen Zugriff auf die internen Systeme von Twitter zu geben. Ob das per Bestechung gelang, wie Vice Motherboard schreibt, oder doch per Erpressung oder Betrug, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist nur: Ab da war der Rest ein Kinderspiel.

Doch wer steckt hinter der ganzen Aktion? Der profilierte Sicherheitsexperte und Tech-Journalist Brian Krebs fand Hinweise, die in die Richtung von Identitätsdieben aus der SIM-Swapping-Community weisen, also Kriminellen, die versuchen, Mobilfunkunternehmen dazu zu bringen, ihnen Zugang zu einer fremden Mobilfunknummer zu geben, wodurch sich dann auch 2-Faktor-Authentifizierung aushebeln lässt. Wie so oft geht es dieser Community nicht nur um Geld, sondern auch um Ansehen: Statussymbol ist das Kapern so genannter „OG Accounts“. Das sind Accounts mit möglichst kurzem Namen wie beispielsweise „@B“, „@joe“ oder auch „@6“.

Ein SIM Swapper namens PlugWalkerJoe

Brian Krebs fiel auf, dass zeitlich passend neben den prominenten Accounts auch solche OG Accounts übernommen wurden. Zugleich gab es in einschlägigen Foren Angebote, gegen Honorar die E-Mail-Adresse beliebiger Twitter-Accounts zu ändern, also etwas, das nur mit Zugriff auf die internen Systeme von Twitter möglich sein sollte. Währenddessen begann der Account @jinshi, Screenshots von Twitters internen Admin-Tools zu veröffentlichen, wohl einerseits als Trophäe zum Vorzeigen in der Community und andererseits um möglichen Kunden zu beweisen, dass die Angreifer auch können, was sie versprechen.

@jinshi wiederum lässt sich auf einen bekannten SIM-Swapper namens PlugWalkJoe zurückführen, wie Brian Krebs in seinem Blog schreibt. PlugWalkJoe soll schon vor einem Jahr an der Übernahme des Acounts @jack von Twitter-Chef Jack Dorsey beteiligt gewesen sein. Laut nicht näher genannten Insidern aus der Mobilfunk-Branche, zu denen Brian Krebs Kontakt hat, handelt es sich bei PlugWalkJoe um einen 21-Jährigen aus Liverpool, der sich gerade in Spanien aufhält.

Zwar gibt es keine harten Beweise, sondern nur die von Brian Krebs gefundenen Indizien, dass PlugWalkJoe wirklich eine zentrale Rolle beim großen Twitter-Hack gespielt haben soll, aber wenn es stimmt, müsste es möglich sein, PlugWalkJoes genauen Aufenthaltsort ausfindig zu machen und ihn gegebenenfalls festzunehmen. Dabei lässt die hervorragende Recherche von Brian Krebs weiterhin eine Reihe von Fragen offen, zum Beispiel wie der Hack genau ablief, wer noch alles beteiligt war und ob es wirklich nur darum ging, einen Bitcoin-Scam in die Welt zu setzen.

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